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Blitzschutz nach DIN EN 62305: was ein vollständiges System umfasst

Blitzschutz für Industriegebäude ist ein konstruktives Sicherheitsthema, kein nachträglicher Aufsatz auf dem Dach. So strukturiert DIN EN 62305 die Arbeit.

· 5 Min Lesezeit · Normen
Marcin Marek Rosinke

Autor

Marcin Marek Rosinke

Gründer & Geschäftsführer

Blitzschutz an Industriegebäuden ist eines jener Themen, die unbemerkt bleiben, bis etwas ausfällt, und dann zur ersten Frage des Versicherungssachbearbeiters werden. Die deutsche Adaption von IEC 62305, DIN EN 62305, gliedert die Arbeit in vier Teile: allgemeine Grundsätze, Risikomanagement, physikalische Schäden und Schutz baulicher Anlagen, Schutz elektronischer Systeme.

Die vier Teile von DIN EN 62305

Teil 1: Allgemeine Grundsätze

Begriffliche Grundlagen, was ein Blitzschutzsystem (LPS) ist, welches Risiko es behandelt, welche Schadensmodi es adressiert.

Teil 2: Risikomanagement

Die Risikobewertung ist der Ausgangspunkt jedes Projekts. Sie quantifiziert die Einschlagwahrscheinlichkeit anhand von Standort, baulichen Eigenschaften und Umgebung und gleicht das mit akzeptablen Risikoschwellen ab. Ergebnis: die erforderliche Schutzklasse (LPL I bis IV).

Teil 3: Physikalische Schäden und Schutz baulicher Anlagen

Das äußere System, Fangeinrichtungen (Fangstangen, Maschennetz, Fangseile), Ableitungen und Erdung. Hinzu kommen bauliche Elemente wie Potentialausgleichsschienen und Blitzschutz-Potentialausgleich innerhalb des Gebäudes.

Teil 4: Schutz elektronischer Systeme

Überspannungsschutzgeräte (SPDs), Zonenkopplung, innere Schirmung. Dieser Teil schützt angeschlossene Geräte, nachdem ein Blitzschlag das Gebäude erreicht hat.

Was ein vollständiges System konkret beinhaltet

  • Risikobewertung nach DIN EN 62305-2 mit dokumentierter LPL-Klassifizierung
  • Äußeres LPS: Fangeinrichtung, Ableitungen, Erdung
  • Inneres LPS: Potentialausgleich, SPDs an Zonenübergängen und an empfindlichen Geräten
  • Abnahmedokumentation, die die zuständige Behörde im ersten Durchgang akzeptieren kann

Bei Industriegebäuden ist der Kostenunterschied zwischen einer fachgerechten und einer marginalen LPS-Ausführung gering. Der Kostenunterschied im Moment eines Einschlags ist enorm.


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