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IACS-Schweißzertifizierung: was Beschaffungsteams wirklich prüfen müssen

Was eine „IACS-konforme Schweißzertifizierung" tatsächlich bedeutet, warum Klassifikationsgesellschaften darauf bestehen und was vor der Mobilisierung zu prüfen ist.

· 6 Min Lesezeit · Normen
Marcin Marek Rosinke

Autor

Marcin Marek Rosinke

Gründer & Geschäftsführer

Wenn eine Werft „IACS-konforme Schweißzertifikate" angibt, was leistet das konkret für den Käufer einer Rumpfbau-Dienstleistung? Dieser Artikel zerlegt den Begriff: was die International Association of Classification Societies tut, wie Schweißerqualifikation innerhalb dieses Rahmens strukturiert ist und was ein Beschaffungsteam vor der Mobilisierung eines Unterauftragnehmers überprüfen sollte.

Was IACS ist, und was nicht

Die International Association of Classification Societies koordiniert die führenden Klassifikationsgesellschaften, Lloyd's Register, DNV, Bureau Veritas, ABS, RINA, ClassNK und weitere. IACS selbst stellt keine Schweißerzertifikate aus. Sie veröffentlicht Unified Requirements (URs), auf die sich Mitgliedsgesellschaften beim Audit einer Werft oder bei der Bauabnahme beziehen.

Praktische Konsequenz: Ein Schweißerzertifikat im IACS-Rahmen wird von allen Mitgliedsgesellschaften anerkannt. Ein Schweißer, der in einer bestimmten Werkstoffgüte und Schweißposition unter diesem Rahmen qualifiziert ist, ist grundsätzlich für jede die Bauüberwachung führende Klassifikationsgesellschaft akzeptabel, sofern das Zertifikat aktuell und die Qualifikationskontinuität nachgewiesen ist.

Wie Qualifikationskontinuität funktioniert

Ein Schweißerpass ist kein einmaliges Zertifikat. Klassifikationsgesellschaften verlangen den Nachweis, dass der Schweißer regelmäßig geschweißt hat, typisch in einem sechsmonatigen Kontinuitätsfenster. War ein Schweißer zu lange außerhalb eines bestimmten Verfahrens oder Werkstoffs eingesetzt, verfällt die Qualifikation und muss vor einer erneuten Zuweisung neu geprüft werden.

Für die Beschaffung: genau das ist zu prüfen. Das Zertifikat selbst ist notwendig, aber nicht hinreichend. Das operative Dokument sind Kontinuitätsnachweise, abgezeichnet durch Werft-QA oder unabhängige Inspektoren.

Was bei der Mobilisierung zu prüfen ist

  • Aktuelle Gültigkeit des Zertifikats (nicht nur historische Gültigkeit)
  • Kontinuitätsnachweise für das laufende Qualifikationsfenster
  • Übereinstimmung von Zertifikatsumfang und Projektumfang (Werkstoffgüte, Schweißposition, Verfahren)
  • Nachvollziehbarkeit des Schweißer-Pools, wer wird auf welchen Scope mobilisiert

Reife Unterauftragnehmer übergeben diese Dokumentation als Teil der Standard-Mobilisierung. Wird sie als Sonderwunsch und nicht als Regelleistung behandelt, ist das selbst schon ein Signal.

Wie RS Marine das handhabt

Jeder Schweißer, den wir auf ein Projekt schicken, verfügt über eine IACS-konforme Zertifizierung passend zum zugewiesenen Scope. Zertifikate und Kontinuitätsnachweise pflegen wir in einem internen Schweißer-Register. Bei der Mobilisierung übergeben wir die Dokumentation an Werft-QA und an den abnehmenden Surveyor, bevor die Crew das Werkstück berührt. Diese Disziplin gilt gleichermaßen für Luxusyachten bei DAMEN, kommerzielle Aufträge bei Karstensen oder Marineprogramme bei PGZ Stocznia Wojenna.


RS Marine Sp. z o.o. liefert Rumpfbau, Refit und Reparatur, industrielle HVAC- und Elektroinstallationen aus Gdynia, Polen. Seit 2018, mit IACS-konform zertifizierten Schweißern und einem 60-Personen-Team.

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