Ladungspumpenräume auf Tankern, Bunkerstationen auf LNG-betriebenen Schiffen, Lackräume, Batteriekompartimente auf Hybridschiffen: jeder dieser Bereiche ist eine Umgebung, in der ein elektrischer Funke an falscher Stelle eine brennbare Atmosphäre zünden kann. Zwei regulatorische Rahmen steuern die Geräteauswahl in solchen Bereichen: ATEX in der EU und IECEx als internationales Schema. Inhaltlich überschneiden sie sich, in Kennzeichnung, Dokumentationskette und in der Erwartung des Klassebesuchers an Bord unterscheiden sie sich.
Zuerst die Zone, dann das Gerät
Ex-Schutz beginnt mit der Klassifizierung des Bereichs, nicht des Geräts. Zone 0 ist der Bereich, in dem eine explosionsfähige Atmosphäre dauerhaft oder über lange Zeiträume vorhanden ist (typisch: Inneres eines Ladungstanks). Zone 1 ist der Bereich, in dem sie im Normalbetrieb auftreten kann (Ladungspumpenräume, Umgebung von Tank-Entlüftungsmasten in definiertem Radius). Zone 2 ist der Bereich, in dem sie im Normalbetrieb nicht erwartet wird, kurzzeitig aber auftreten kann (Hülle um Zone-1-Quellen). Jede Zone gibt die Gerätekategorie vor, die dort installiert werden darf.
ATEX gegen IECEx
ATEX ist das EU-Richtlinienpaket (2014/34/EU für Geräte, 1999/92/EG für Arbeitsplätze). Geräte für den EU-Markt tragen CE mit Ex-Symbol und Kategorie. IECEx ist das internationale IEC-Schema, technisch an die IEC-60079-Reihe angelehnt. Die meisten marinen Geräte tragen beide Kennzeichnungen, beide Zertifikate liegen in den Unterlagen. Für ein Schiff mit europäischem Eigner, das international fährt, verkürzt das Vorliegen beider Zertifikate die Fragen des Surveyors in nicht-EU-Häfen.
Gerätekategorien
Kategorie 1 ist für Zone 0 freigegeben (höchste Schutzstufe, Eigensicherheit oder gleichwertig). Kategorie 2 deckt Zone 1 (druckfeste Kapselung, erhöhte Sicherheit, Überdruckkapselung). Kategorie 3 deckt Zone 2 (kein Funkenwurf im Normalbetrieb). Ein häufiger Dokumentationsfehler ist die Installation von Kategorie-2-Geräten in Zone 0 oder das Verlegen einer Kategorie-3-Leuchte in Zone 1, weil die Kabelführung einfacher war. Surveyors greifen das auf.
Was Surveyors tatsächlich prüfen
- Konformitätszertifikat passend zur Seriennummer des installierten Geräts
- Kabelverschraubungs-Typ passend zur Geräte-Zertifizierung (Ex d, Ex e oder Ex i)
- Erhalt der Kabeldurchführungs-Zertifizierung durch Schotten
- Montage gemäß Installations-Zeichnung des Herstellers
- Durchgängigkeit von Erdungs- und Potentialausgleichs-Schema bis zum Rumpf
Dokumentationskette
Für jedes Ex-Element an Bord: Typenzertifikat (ATEX, IECEx oder beides), Installations-Zeichnung, Kabelschema mit Klemmenbelegung und Abnahmeprotokoll bei Übergabe. Klassifikationsgesellschaften wollen dieses Paket vor Seeerprobung komplett sehen, nicht danach. Die Kette ist der Beleg, dass das Gerät nicht nur auf Papier konform, sondern innerhalb seiner Zertifizierungs-Hülle installiert ist.
Wie RS Marine das handhabt
Elektro-Scope in Ex-Zonen ist Teil unserer Standard-Lieferung. Wir arbeiten nach ATEX/IECEx-Dokumentation, mit Verschraubungen und Durchführungen passend zum Geräte-Zertifikat und Installations-Zeichnungen in den Akten. Bei der Übergabe sind die Abnahmeprotokolle Teil des Dossiers für den Surveyor, kein Nachgang. Das gilt für die Modernisierung eines Ladungspumpenraums bei NAUTA, eine LNG-Bunker-Installation auf einer Partnerwerft oder ein Batteriekompartiment in einem Hybridfähren-Programm gleichermaßen.
RS Marine Sp. z o.o. liefert Rumpfbau, Refit und Reparatur, industrielle HVAC- und Elektroinstallationen aus Gdynia, Polen. Seit 2018, mit IACS-konform zertifizierten Schweißern und einem 60-Personen-Team.